Hilfe & Anleitung

Wie der IAM Governance Designer funktioniert

Diese Seite erklärt alle Funktionen — vom anonymen Schnellcheck bis zur fertigen Audit-Dokumentation. Sie können von links direkt zu jedem Thema springen.

§Überblick

Der IAM Governance Designer ist eine KI-gestützte Plattform zur Erstellung auditfähiger IAM-Governance-Dokumentation nach ISO 27001. Die Anwendung läuft vollständig lokal und führt Sie strukturiert durch drei Ebenen:

  • Policy — Ihre Grundsätze und Richtlinien (was gilt bei uns?)
  • Procedure — Ihre Abläufe (wie setzen wir das um?)
  • Evidence — Ihre Nachweise (Fachberechtigungskonzepte je System)

Aus Ihren Antworten erzeugt die KI fertige Markdown-Dokumente — inklusive Hinweise an Stellen, an denen Beratung sinnvoll ist (markiert mit [EXPERTENTIPP]).

§Zwei Wege zum Ziel

Es gibt zwei Einstiege — wählen Sie passend zu Ihrem Wissensstand:

Pfad A
Fragenkatalog direkt

Für Teams, die ihre IAM-Prozesse bereits kennen und direkt ISO 27001-Dokumente erstellen wollen.

ca. 3–5 Stunden · 128 Fragen · 11 Module
Pfad B
anonym möglich
Reifegrad-Prüfung zuerst

Für Teams, die ihren IST-Stand noch nicht kennen oder eine schnelle Standortbestimmung brauchen.

ca. 20 Minuten · 22 Fähigkeiten · 66 Fragen
Tipp
Sie können die Pfade kombinieren: Erst die Reifegrad-Prüfung als Standortbestimmung, dann den priorisierten Fragenkatalog für die Dokumentation.

§Anonyme Reifegrad-Prüfung

Sie können die Reifegrad-Prüfung auch ohne Konto starten. Ihre Antworten werden ausschließlich in Ihrem Browser (localStorage) zwischengespeichert.

  • Kein Konto, keine Registrierung — sofort loslegen.
  • Antworten bleiben erhalten, solange Sie diesen Browser (und denselben Rechner) verwenden.
  • Erst beim Klick auf Speichern → Konto erstellen entsteht ein dauerhaftes Konto.
  • Nach der Registrierung werden Ihre bisherigen Antworten automatisch in die Datenbank übertragen.
Achtung
Wenn Sie den Browser-Cache löschen oder den Browser/Rechner wechseln, sind die anonymen Antworten verloren. Nutzen Sie den Konto-Pfad, sobald Sie Ergebnisse dauerhaft sichern wollen.

§Konto, Login & Gast-zu-Konto

Es gibt drei Wege ins angemeldete System:

  1. Neu registrieren über Onboarding — legt Konto und erstes Projekt an.
  2. Anmelden über /login — bestehender Account.
  3. Aus Gast-Modus heraus — beim Speichern der anonymen Reifegrad-Prüfung öffnet sich ein Registrierungsformular. Nach erfolgreicher Anmeldung werden die anonym erfassten Antworten in Ihr neues Projekt übernommen.

Demo-Zugang: demo@musterwerk.de / demo1234

§Reset-Funktion (Reifegrad-Prüfung neu starten)

Sowohl im anonymen als auch im angemeldeten Modus finden Sie unten in der Reifegrad-Prüfung einen Knopf ↺ Zurücksetzen.

  • Ein Bestätigungsdialog fragt Sie zur Sicherheit, ob Sie wirklich neu beginnen wollen.
  • Anonym: Alle lokal gespeicherten Antworten werden aus diesem Browser entfernt.
  • Angemeldet: Alle gespeicherten Capability-Scores dieses Projekts werden aus der Datenbank gelöscht.
Achtung
Die Aktion kann nicht rückgängig gemacht werden. Antworten im Fragenkatalog (Policy/Procedure/Evidence-Module) sind davon nicht betroffen — der Reset gilt ausschließlich für die Reifegrad-Prüfung.

§Reifegrad-Prüfung im Detail

Die Prüfung bewertet 22 IAM-Fähigkeiten mit jeweils drei Fragen auf einer Skala von 1 bis 3:

1 / 3 — Niedrig
Kein oder ad-hoc Vorgehen — erheblicher Handlungsbedarf.
2 / 3 — Mittel
Etabliert, aber Lücken — Verbesserung möglich.
3 / 3 — Hoch
Strukturiert, dokumentiert, regelmäßig überprüft.

Auf der rechten Seite sehen Sie ein Radar-Diagramm, eine Score-Verteilung, automatisch identifizierte kritische Lücken und eine kontextsensitive KI-Empfehlung.

Mit Reifegrad-Prüfung speichern persistieren Sie die Ergebnisse — anschließend wird der Schritt Gap-Analyse freigeschaltet.

§Gap-Analyse & Roadmap

Die Gap-Analyse leitet aus Ihren Capability-Scores konkrete Handlungsfelder ab und priorisiert sie nach ISO 27001-Bezug:

  • Control Coverage: Welche A.5/A.8-Controls Ihre aktuelle Reife abdeckt.
  • Kritische Lücken: Capabilities mit Score < 1,5 — diese gehören meist als Erstes adressiert.
  • Roadmap: Vorschlag, in welcher Reihenfolge die Module bearbeitet werden sollten.

Sie können von hier direkt in den priorisierten Fragenkatalog wechseln, um die identifizierten Lücken in der Dokumentation zu schließen.

§Fragenkatalog (11 Module)

Der Hauptteil der Anwendung ist ein strukturierter Fragenkatalog mit insgesamt 128 Fragen, verteilt auf 11 Module über alle drei Ebenen:

ModulNameEbeneFragen
P1IAM Richtliniepolicy15
P2Identitätsvorgabenpolicy12
P3Zugriffsrichtliniepolicy16
P4Passwortpolicypolicy12
PR1Rollenmodellierungskonventionenprocedure9
PR2Rollenmodellierungsprozesseprocedure8
PR3Identitätsmanagementprozesse (JML)procedure15
PR4Rollenvergabeprozesseprocedure9
PR5Privileged Access Management (PAM)procedure10
PR6Monitoring & Kontrolleprocedure8
E1Fachberechtigungskonzeptevidence14

In der Sidebar sehen Sie pro Modul den Fortschritt in Prozent. Nicht beantwortete Module werden im Dashboard hervorgehoben. Antworten können jederzeit überarbeitet werden — die Module-Reihenfolge ist empfohlen, aber nicht zwingend.

§Fragetypen

Im Fragenkatalog kommen mehrere Eingabetypen vor:

  • text — Freitext, z.B. für Beschreibungen oder Begründungen.
  • boolean — Ja/Nein.
  • choice — Genau eine von mehreren Optionen.
  • multi_choice — Beliebig viele aus einer Liste.
  • table — Strukturierte Tabelle, z.B. Rollen-Matrix.
  • date — Datumsangabe.
  • number — Zahl (z.B. Anzahl Mitarbeitende).
  • info — Kein Eingabefeld, sondern erklärender Text als Lesehilfe.

Jede Frage hat zusätzlich:

  • Einen ISO-Bezug (z.B. „A.5.15“) zur Nachvollziehbarkeit im Audit.
  • Optionale Notizen, die zusammen mit der Antwort gespeichert werden.
  • KI-gestützte Erläuterung, Tipp und Warnung (siehe nächster Abschnitt).

§KI-Assistent (AIRail)

Auf jeder Frageseite begleitet Sie rechts ein KI-Panel — die AIRail:

  • Kontext / Erklärung: Warum ist diese Frage wichtig? Worauf zielt sie ab?
  • Tipp: Praxisnahe Empfehlung, die zu typischen Unternehmenskontexten passt.
  • Warnung: Wenn Ihre Antwort gegen Best Practices oder ISO-Anforderungen verstößt.
  • Konsistenzprüfung: Bei Widersprüchen zwischen Policy und Procedure schlägt das System Alarm.

Bei der Dokumentengenerierung wird die KI streamend geladen — Sie sehen den Text in Echtzeit entstehen. Standard-Provider ist Anthropic Claude; bei Ausfall greift OpenAI als Fallback.

Hinweis
Die KI-Aufrufe benötigen einen gültigen ANTHROPIC_API_KEY in der .env.local. Ohne Key starten alle anderen Funktionen normal, nur die KI-Generierung schlägt fehl.

§Dokumente generieren

Unter Dokumente & Releases in der Sidebar finden Sie pro Modul das passende Dokument. Pro Dokument sehen Sie:

  • Ebene (POLICY / PROCEDURE / EVIDENCE) — farblich markiert.
  • Status: DRAFT (KI-Entwurf) → REVIEW (in Prüfung) → APPROVED (freigegeben) → RELEASED (veröffentlicht).
  • Version (z.B. 0.1.0) und Generierungs-Datum.

Aktionen:

  • Generieren / Neu generieren — startet die KI mit den aktuellen Antworten.
  • Vorschau — zeigt das Markdown-Dokument inline an.
  • In Release aufnehmen — siehe nächster Abschnitt.

Im generierten Markdown sind Stellen mit [EXPERTENTIPP] markiert, an denen die KI Beratung empfiehlt — diese Stellen sollten Sie vor dem Audit fachlich überprüfen.

§Releases & Versionierung

Ein Release bündelt mehrere Dokumente unter einer gemeinsamen Versionsnummer (z.B. v1.0.0) — typischerweise als Audit-Snapshot oder nach einem Review-Zyklus.

  • Versionsnummer, Titel und Notizen frei vergeben.
  • Dokumente per Checkbox auswählen.
  • Release wird mit Zeitstempel und Verantwortlichem gespeichert.
  • Frühere Releases bleiben einsehbar — auch nach späteren Änderungen am Inhalt.

§Projekt-Setup

Unter Projekt-Setup verwalten Sie alle projektbezogenen Stammdaten:

  • Projekt-Info — Projektname, Unternehmen, Projekt-ID (z.B. IG-2026-001).
  • Team-Mitglieder — wer arbeitet mit welcher Rolle?
  • Einladungen — Pending Invites, Token-Links, Gültigkeitsdauer.
  • Domänen / Systeme — Anlage von Fachberechtigungskonzepten (z.B. „SAP HCM“, „Salesforce CRM“).
  • Organisations-Ebenen — z.B. Werk, Kostenstelle, Abteilung — für die Modellierung.

§Rollen im Team

Es gibt sechs Rollen, die unterschiedliche Bereiche abdecken:

RolleAufgabe
OWNERVollzugriff auf alles — typischerweise CISO, IT-Leitung, Datenschutzbeauftragter
POLICY_OWNERVerantwortlich für die Policy-Ebene (Module P1–P3)
PROCEDURE_OWNERVerantwortlich für die Procedure-Ebene (Module PR1–PR6)
DOMAIN_OWNERFachbereichs-Owner — sieht und bearbeitet nur das ihm zugewiesene Fachberechtigungskonzept
VIEWERLesezugriff — kann mitlesen, aber nichts verändern

§Fachberechtigungskonzepte (E1)

Modul E1 ist anders als die übrigen Module: Statt einer einzigen Antwort pro Frage entsteht pro System / Fachbereich ein eigenes Konzept — z.B. eines für SAP, eines für Salesforce, eines für HR.

  • Sie legen Domänen unter Projekt-Setup → Domänen an.
  • Jeder Domäne kann ein Domain Owner zugeordnet werden, der nur sein Konzept sieht.
  • E1 enthält 6 Blöcke (A–F): Metadaten, Funktionen, Rollen, Technik, Zuweisung, Rezertifizierung.
  • Im Sidebar-Eintrag Fragenkataloge erscheint pro Domäne eine eigene E1-Zeile.

§Einladungen

Unter Projekt-Setup → Einladungen können Sie weitere Personen ins Projekt einladen. Der Ablauf:

  1. E-Mail-Adresse, Rolle und (bei DOMAIN_OWNER) Domäne festlegen.
  2. Einladung erzeugt einen Link /invite/<token>.
  3. Empfänger öffnet den Link, sieht Projektdetails und kann ein Konto erstellen — oder sich anmelden, falls er bereits einen Account hat.
  4. Nach Annahme wird der Status auf ACTIVE gesetzt.
  5. Standard-Gültigkeit: 7 Tage; abgelaufene Einladungen können neu erstellt werden.

§Datenschutz & Datenhaltung

  • Die Anwendung läuft vollständig lokal (PostgreSQL + Next.js).
  • Keine Cloud-Synchronisation — Antworten verlassen Ihren Server nicht.
  • Einzige externe Abhängigkeit: KI-Aufrufe an Anthropic / OpenAI während der Generierung. Diese werden mit Ihrer Frage / Ihren Antworten als Kontext aufgerufen.
  • Im anonymen Modus: alles bleibt ausschließlich im localStorage Ihres Browsers — keine DB-Persistenz, kein User-Eintrag.
  • Im angemeldeten Modus werden Antworten in der lokalen Postgres-DB gespeichert; die Verknüpfung läuft über Projekt + Modul + (ggf.) Domäne + Fragen-ID.

§Häufige Fragen (FAQ)

Muss ich alle 116 Fragen beantworten?

Nein. Die Anwendung speichert jede Antwort einzeln und Sie können den Fragenkatalog jederzeit unterbrechen. Für eine vollständige Audit-Dokumentation sind allerdings alle Pflichtfragen nötig — die Module-Fortschrittsbalken zeigen Ihnen, wo noch Lücken sind.

Was passiert mit meinen anonymen Antworten, wenn ich ein Konto erstelle?

Sie werden automatisch in Ihr neu angelegtes Projekt übernommen. Anschließend wird der lokale Speicher (localStorage) bereinigt, damit es keine Doppelgleise gibt.

Kann ich später noch zwischen den Pfaden wechseln?

Ja. Sie können jederzeit zur Reifegrad-Prüfung zurückkehren und auch parallel im Fragenkatalog arbeiten. Die Daten sind unabhängig.

Wie zuverlässig sind die generierten Dokumente?

Die KI erzeugt etwa 80 % einer audit-tauglichen Vorlage. Die mit[EXPERTENTIPP]markierten Stellen sollten Sie fachlich überprüfen — sie sind Marker für Beratungs- oder Entscheidungsbedarf.

Kann ich mehrere Projekte gleichzeitig führen?

Ja, technisch ist das möglich; in der aktuellen UI wird jedoch standardmäßig das zuletzt erstellte Projekt eines Owners angezeigt. Für mehrere Mandanten empfiehlt sich eine separate Installation oder ein gesondertes Konto.

Was, wenn die KI-Generierung fehlschlägt?

Prüfen Sie in .env.local ob ein gültiger ANTHROPIC_API_KEY hinterlegt ist. Bei Anthropic-Fehlern fällt die App automatisch auf OpenAI zurück, falls dort ein Key gepflegt ist.

Wie setze ich die Reifegrad-Prüfung zurück?

Über den ↺ Zurücksetzen-Knopf in der Reifegrad-Ansicht. Mehr Details im Abschnitt Reset-Funktion.

§Glossar

IAM
Identity & Access Management — wer darf auf was zugreifen, und wie wird das verwaltet.
IGA
Identity Governance & Administration — übergeordnete Steuerung von Identitäten und Berechtigungen.
JML
Joiner / Mover / Leaver — Lebenszyklus eines Mitarbeitenden im Unternehmen, der mit Berechtigungen einhergeht.
RBAC
Role-Based Access Control — Berechtigungen werden über Rollen vergeben statt einzeln.
ABAC
Attribute-Based Access Control — Berechtigungen ergeben sich aus Attributen (z.B. Abteilung, Projekt).
SoD
Segregation of Duties — Funktionstrennung. Bestimmte Rollenkombinationen sind nicht erlaubt (z.B. Buchung & Freigabe).
MFA
Multi-Factor Authentication — mehrere Faktoren beim Login (Passwort + zweiter Faktor).
SSO
Single Sign-On — eine Anmeldung gilt für mehrere Systeme.
PAM
Privileged Access Management — gesonderte Verwaltung privilegierter Konten (Admins, Service-Accounts).
JIT
Just-in-Time Access — privilegierte Rechte werden nur temporär bei Bedarf vergeben.
Rezertifizierung
Regelmäßige Überprüfung, ob bestehende Berechtigungen noch nötig sind.
Policy
Grundsatzdokument: Was gilt? (z.B. „Wir verwenden Least Privilege.“)
Procedure
Ablaufdokument: Wie setzen wir das um? (z.B. konkreter Genehmigungs-Workflow)
Evidence
Nachweisdokument: Wie wird das pro System konkret umgesetzt? (Fachberechtigungskonzept)
ISO 27001 A.5 / A.8
Control-Bereiche der Norm: A.5 = Organisatorische Controls, A.8 = Technologische Controls.
NIS2
EU-Richtlinie zur Cybersicherheit; deren Umsetzung verlangt häufig auditfähige IAM-Dokumentation.